Essay über Sterbehilfe & Tod als Tabuthema

Wer von euch glaubt tatsächlich daran, freiheitlich leben? Es ist Abstumpfung und und Gewöhnung, die euch blind werden lässt, für jene Forderungen, in denen sich der totalitäre Verfügungsanspruch des Staates über jeden Einzelnen deutlich wird.
Lasst ihn uns aufbauen, den Zerrspiegel. Es benötigt solch extremer Beispiele wie die Kriminalisierung des Freitodes.Schätze dich glücklich. Du darfst darüber entscheiden, wie du mit deinen Habseeligkeiten verfährst. Wenn es dein Anliegen ist, darfst du sie zertrampeln, zertrümmern und zerstören. Aber so nicht mit dir. Nicht wenn du es selbst nicht vollbringen kannst. Die Beendigung deines Leides würde neues Leid bedeuten, durch die strafrechtliche Verfolgung deines Gehilfen.

Moralisten, Ethiker, Philosophen, Wissenschaftler, Politiker. Sie alle haben sich versammelt, stehen ringsum dein Bett. Sie alle haben etwas zu sagen, wenn es um dieses Thema geht. Sie sprechen über dich hinweg. Es gelte abzuwägen. Jeden Gesichtspunkt, jeden Argumentationsstrang zu trennen und auf seine Überzeugungskraft hin zu überprüfen. Es brauche vernünftige Regeln für die Praxis, man dürfe nicht die Euthanasie im 3. Reich vergessen, wo werden Grenzen gezogen? Man müsse das Menschliche Leben doch schützen, und und und…
Und du liegst da, unfähig dich zu bewegen, dich auszudrücken, nur noch Leid spürend, geistig gestorben, dein Körper noch im Stande irgendwie zu funktionieren, dahinsiechend. Du hast einen Entschluss gefasst, der privater nicht sein könnte, der keinen etwas angeht, der keinen verletzt oder in seiner Freiheit einschränkt, er betrifft nur dich, deinen Körper, deine Seele. Und du siehst sie debattieren, würdest gerne schreien. Doch du kennst sie. Lebensrettende Seelenquäler.Es ist nicht nur körperliches Leiden, dass den Wunsch nach dem Tod laut werden lässt.

Man sagt, die Fähigkeit die Frage nach dem Sinn der Dinge stellen zu können, sei ein Menschliches Privileg. Ein Bewusstsein für das zunächst ungreifbare, unbegreifliche zu besitzen, dass der Sache innewohnt, und aus diesem Gefühl der Neugierde die Kraft für wahrlich großartiges zu schöpfen. Wie Albert Einstein schon sagte:

“Das Schönste, das wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht.”

Doch genauso kann die Frage nach dem Sinn das zermürbernste Erlebnis unseres Daseins sein. Binsenweisheiten wie ‘Es gibt nicht DEN Sinn, jeder muss ihn für sich selbst suchen’ helfen da freilich wenig. Wieso sollte man einem Menschen, der absolut keinen Sinn im Leben sieht und finden kann (man spricht hierbei nicht von liebeskummergeplagten Teenagern, die ihren Sinn für eine Woche verlieren) , nicht die Möglichkeit geben, sich ihrer seiner Körperlichkeit zu entledigen und damit um die Bürde des Lebens erleichtern?
Auch wenn die lebensmüde Einstellung in manchen Fällen eine vorrübergehende wäre, ist die staatliche Bevormundung inakzeptabel. Die Freiheit, Fehlentscheidungen treffen zu können, schafft erst den mündigen, in diesem Zusammenhang, toten Bürger.

Man wird in dieses Leben geboren, ohne darum gebeten zu haben. Man geht in die Schule, zur Arbeit, zahlt Steuern, ohne darum gebeten zu haben. Wir müssen uns schlechte Musik anhören, Kriege im Fernsehen verfolgen, Großstadtlärm ertragen, einen Antrag für den Antrag für den Antrag besorgen, nur weil wir uns ein Haus bauen wollen, das alles, ohne darum gebeten zu haben.
So erträgt man dieses Leben. Bis das Bewusstsein den Selbsterhaltungstrieb Schachmatt setzt.
Es wäre doch nur fair, wenigstens an dieser Stelle kein ‘Du musst weiterleben’ stehen zu haben. Dem Menschen wenigstens im letzten Akt seines Seins im Prozess der Auslöschung des Selbst die Möglichkeit einräumen, sich zum ersten mal komplett selbst zu verwirklichen, ohne dabei beim Sprung aus dem 3. Stockwerk Gefahr zu laufen, als lebendig- toter Krüppel zu enden.
Sterblichkeit war schon immer ein Tabuthema. Dies zeigt sich deutlich in dem zentralen Platz den der Tod im Gefüge des Glaubens einnimmt. Die Religion bietet dem Menschen an dem Tode durch die Postulierung eines Weiterlebens zu entkommen. Dabei ist es unbedeutend, ob hierfür die Idee der unsterblichen Seele, die Auferstehung von den Toten, oder die absurde Vorstellung, das Dasein sei keine einmalige Gegebenheit, sondern ein zyklisches reinkarnieren in unterschiedliche Körper. Diese machtvolle Leugnung des Todes übernimmt heute in abgewandelter Form der Staat indem er den Tod institutionalisiert und zu seiner Sache macht. Die Religion konnte den Schrecken des Todes, gerade für Selbstmörder, durch das Erfinden jenseitiger Welten wie der Hölle und des Fegefeuers vermitteln, heute dient hierzu die massenwirksame Verbreitung eines Horrorbildes des Sterbens über verschiedene Informationsträger. Eine Auseinandersetzung mit der menschlichen Sterblichkeit und damit verbunden der Verlust der Todesangst ist nicht gestattet.
Zu groß ist die Angst davor einen merklichen Teil ihrer menschlichen Regierungsmasse durch Suizid zu verlieren, wenn sie den Druck erhöhten und der Tod als friedlicher Endzustand im menschlichen Bewusstsein bestand hätte.

About these ads

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: